Eigenheim – wer kann sich soviel Unbeweglichkeit noch leisten?
22.Juli 2008
Die Entscheidung, sich ein eigenes Haus anzuschaffen, ist heute mit größeren Schwierigkeiten behaftet als jemals zuvor. Die Globalisierung hat auf jeden einzelnen Auswirkungen und beinahe niemand kann mehr darauf vertrauen, ein Leben lang am gleichen Ort zu arbeiten und also auch zu wohnen. Ob man als Mieter besser und vor allem preiswerter durchs Leben kommt, bedarf der genauen Kalkulation.Die allgemein verbreitete Meinung sieht diese Problem allerdings noch nicht. Ganz im Gegenteil sind die meisten von den Vorteilen eines eigenen Hauses felsenfest überzeugt. Ohne es je ausgerechnet zu haben, gehen fast alle davon aus, dass ihr Haus oder ihre Wohnung nicht nur kräftig an Wert gewinnt, sondern auch jeden Mieter finanzielle alt aussehen lässt, wenn man eine Gesamtbilanz über die Lebenszeit zieht. Die seit Jahren anhaltende Diskussion über die private Altersvorsorge hat die eigenen Immobilie geradezu zum Königsweg für finanzielle Sicherheit im Alter stilisiert. Das die Realität oft anders aussieht, erfähr man allerdings nicht vom Berater bei der Bausparkasse, sondern durch aktive Informationssuche. So steigt beleibe nicht jede Immobilie im Wert. Es kommt sehr darauf an, wo sie sich befindet. Neue Vorschriften gerade zur Energieeinsparung, können einen günstig erworbenen Altbau schnell zu einem Geldgrab machen. Die steigenden Spritpreise haben oder werden in Kürze den Berufspendlern die Kalkulation zunichte machen. Auch das preiswerte Haus auf dem Land ist bald keine bezahlbare Alternative mehr, wenn das Autofahren immer teurer wird. Genauso ungewiss ist es, ob das zur Altersvorsorge angeschaffte Haus im Rentenalter überhaupt noch verkäuflich ist und somit noch einen wirklichen Wert darstellt. Niemand kann wissen, ob in Jahrzehnten noch jemand ein Reihenhaus kaufen möchte und was dann gefragt sein wird. Tatsächlich steigen, abgesehen von einigen wenigen Spitzenlagen, die Immobilienpreise schon seit Jahren nicht mehr. Von Wertzuwachs also keine Spur. Rechnet man die Gesamtkosten einer Finanzierung einem ehrlich durch, kommt zur Zeit schnell zu dem Schluss, dass man als Mieter nicht nur flexibler ist, sondern, sofern man das Geld, das man ansonsten in die eigenen vier Wände investieren würde, gut anlegt, auch einen höhere Rendite erwirtschaftet als der Hausbesitzer. Ist man gezwungen zu verkaufen, noch bevor der Kredit abgezahlt ist, etwa weil man aus beruflichen Gründen umziehen muss, trägt man nicht nur das Risiko überhaupt einen Käufer zu finden, sondern kann auch niemals wissen, ob man einen angemessenen Preis erzielen kann. Wer sich also nicht gerade in ein bestimmtes Haus verliebt hat, verzichtet besser auf einen Kauf.
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