Reetdächer
01.März 2009
Reetdächer prägen in einigen Landschaften Deutschlands das Bild nachhaltig mit. Bereits 4000 Jahre vor Christus nutzten die sesshaften Menschen getrocknetes Schilfrohr zum Decken ihrer primitiven Bauten. Vor allem die gute Kältedämmung bewirkte, dass sich die Reetdächer bis in unsere Zeit hinein hielten.
Reetdächer sind vor allem in Norddeutschland zu finden, da hier die Verfügbarkeit der Rohrpflanze besonders gut ist. Das Schilfrohr wächst an den Rändern der Binnengewässer, auf sumpfigem Boden gedeiht die Pflanze gut. In getrocknetem Zustand und zu Bündeln gebunden werden die dünnen Stängel dann auf dem Dach befestigt. Die grundsätzliche Verarbeitung des Schilfs hat sich bis heute kaum verändert, im Zuge des Energiesparens und den zunehmenden Ansprüchen an die Wärmeisolation des Hauses werden die Reetdächer heute jedoch nach vorgegebenen Richtlinien gearbeitet. So haben Reetdächer einen Neigungswinkel von 45 Grad. Dadurch kann Regenwasser optimal abfließen und nur die oberste Reetschicht wird feucht. Die unteren Schichten bleiben trocken und erhalten die Hohlräume, die das Material von Natur aus mit sich bringt und das für die Dämmung sorgt.
Die Lebensdauer eines Reetdaches ist sehr abhängig von der Pflege, dem Aufbau und der Qualität des Daches. Wird das Reet noch feucht verarbeitet, kann es später zu faulen Stellen kommen, die das Dach undicht werden lassen. Auch eine unsachgemäße Hinterlüftung des Daches oder ein zu flacher Neigungswinkel kann zu bleibenden feuchten Stellen führen. Dazu muss ein Reetdach beständig kontrolliert und schadhafte Stellen fachgerecht erneuert werden. Im Schnitt halten Reetdächer rund vierzig bis fünfzig Jahre, doch auch deutlich ältere Dächer sind noch original erhalten.
So schön die Dächer anzusehen sind, sie haben auch einige Nachteile. So besteht bei Reetdächern eine hohe Brandgefahr, die auf den Nordfriesischen Inseln sogar ein Verbot von Feuerwerkskörpern nach sich zieht. Ein Reetdach brennt in etwa einer Stunde komplett ab, das Feuer greift schnell auf die unter dem Dach liegenden Räume zu. Daraus resultiert auch eine sehr hohe Versicherungsrate, um die Häuser gegen Feuerschäden abzusichern. Bei einem Brand sollte ein Haus mit Reetdach sofort verlassen werden. Zum Schutz der aus dem brennenden Gebäude tretenden Menschen verfügen viele Reetdachhäuser über einen Giebel, der den Bereich vor der Haustür schützt. Brennendes Schilf, das vom Dach fällt, rutscht seitlich an dem Giebel ab, so ist der freie Weg aus dem Gebäude hinaus gesichert.
Darüber hinaus ist die Ausbesserung eines Reetdaches recht teuer, denn das Material muss zu einem großen Teil importiert werden. In Deutschland steht nicht mehr genug Schilf zur Verfügung, um die Nachfrage zu decken. Zudem vermögen nur wenige speziell ausgebildete Dachdecker über das nötige Wissen, um ein Reetdach richtig auszubessern.
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